Wenn man den Versprechungen der Bundeswirtschaftsministerin/Gaslobbyistin Katherina Reiche Glauben schenken will, liegt das Heil in der Verstromung von Gas. Sie wird nicht müde, Gas als den günstigen Energieträger der Zukunft anzupreisen. Sarah Wagenknechts BSW geht in ihrer Hörigkeit gegenüber dem Möchtegern-Zaren Putin noch einen Schritt weiter und fordert mit einer Aufschrift auf einem Tankwagen, der im Wahlkampf der Partei eingesetzt wurde: „Vernunft & günstige Energie – Für günstige Energie: Nord Stream öffnen!“

Die AfD, wie könnte es anders sein, setzt selbst da noch eins drauf. Sie fordert klipp und klar, Atomkraftwerke wieder anzufahren, sofern sie noch existieren und wo nicht, neue zu bauen.

Einmal ganz davon abgesehen, dass beide Energieformen die Abhängigkeit von unsicheren Lieferländern (Russland, USA …) zementieren würden und weiteres Geld in die Kriegskasse eines Aggressors, der bereits beginnt, die Verteidigungsbereitschaft Europas auszutesten spült (Ja, auch Uran für die Kernkraftwerke Europas kommt zu 16% aus Russland), wären all diese Leute – und vor allem wir als Verbraucher – gut beraten, einmal einen Blick auf die tatsächlichen Gestehungskosten für die Kilowattstunde Strom aus den verschiedenen Energieformen zu werfen.

Quelle: https://www.polarstern-energie.de/magazin/artikel/energietraeger-vergleich-stromgestehungskosten-bauzeit-anlagen/

Schnell wird klar: Die von den Parteien propagierten Energieformen Gas und Kernkraft rangieren in der Riege der Gestehungskosten in der oberen Hälfte. Im Falle der Kernkraft sind hier noch nicht einmal die Rückbaukosten am Ende der Kraftwerkslaufzeit mit einberechnet.

Und seltsam: Die Alice Weidel (AfD) und auch vielen konservativen Politikern (allen voran hier die CSU) so verhassten Windräder rangieren auf Platz zwei der niedrigsten Gestehungskosten. Bayern hat durch seine Gesetzgebung den Ausbau der Windenergie sogar zuverlässig eingebremst. Den günstigen Strom, der im Norden auf diese Weise produziert wird, will man aber schon gerne haben. Also mutet man den Menschen dazwischen eine gigantische Stromtrasse zu, mit all der Umweltzerstörung und den Folgerisiken, die mit dem Bau des Südlinks verbunden sind.

Jetzt sieht es in der obigen Grafik so aus, als sei die gute alte PV-Dachanlage etwas abgeschlagen auf Platz Vier.
Das liegt aber auch daran, dass wir in der Grafik die Kosten der Herstellung einer Kilowattstunde Strom vergleichen, nicht die Einkaufspreise. Rechnet man aber die Tatsache ein, dass bei den Dach-PV-Anlagen diese Kosten im Falle des Eigentums sogar gleich dem Endpreis sind, kommen diese spielerisch leicht auf Platz eins. Das kann nun wieder den großen Stromkonzernen gar nicht gefallen. Wo kämen wir denn hin, wenn jedermann sich seinen Strom selber macht, womöglich sogar noch nicht sofort benötigte Mengen in einem Speicher im Keller bunkert?

Und auch beim Heizen wird schnell klar: Eine mit erneuerbaren Energieträgern betriebene Wärmepumpe avanciert schnell zur günstigsten Art zu heizen. Und für die heißen Sommer gibt es auch Lösungen: Eine Wärmepumpe lässt sich in vielen Fällen durch eine einfache Erweiterung mit einer Passivkühlung aufrüsten. Dadurch wird in heißen Sommern sogar die Klimatisierung von Innenräumen günstiger und klimafreundlicher.

Rechnen wir nun noch die eingesparten Folgekosten des weiteren Anheizens unseres Klimas durch die Verbrennung fossiler Energieträger hinzu, geht die Rechnung „Vernunft und günstige Energie durch fossile Brennstoffe“ vollends nach hinten los.

Übrigens ist auch die Mobilität elektrisch wesentlich klimafreundlicher und günstiger, zumal, wenn der Strom vom eigenen Dach kommt. Allein der Unterschied im Wirkungsgrad lässt aufhorchen. Der Benziner erreicht schlappe 20%, der Diesel immerhin 45% aber der Elektromotor schlägt sie alle mit einem Wirkungsgrad von 70%. Und diese Zahlen stammen aus der eher konservativen „Welt“. (Die von der FDP damals so vehement unterstützten E-Fuels erreichen übrigens mit 15% einen schmählichen letzten Platz.)

Wollen wir uns wirklich noch länger für dumm verkaufen lassen? Wollen wir weiter leichtgläubig den Versprechungen der Gas- und Kernkraftlobby hinterherlaufen? Oder wird es Zeit, dass wir uns endlich den Gegebenheiten anpassen und wirklich vernünftige Entscheidungen treffen im Bezug auf günstige Energie?

Natürlich gibt es auch bei den Anlagen für erneuerbare Energieformen Probleme, das soll hier nicht verschwiegen werden. Derzeit kommen die meisten PV-Module aus China und die verbaute Elektronik ist nicht immer über jeden Verdacht erhaben (Stichwort: „Kill-Switch“) und auch die Errichtung von Windkraftanlagen ist mit Emissionen verbunden, das Recycling von ausgedienten Anlagen steckt noch in den Kinderschuhen.
In Summe aber sollten die Probleme in den Griff zu bekommen sein. Es ist ja nun nicht so, dass PV-Module nicht in Europa produziert werden könnten. Und Herstellungsprozesse tendieren dazu, bei wachsendem Bedarf effizienter zu werden. Und letztlich ist auch das ein Schritt in Richtung größerer Souveränität Europas.