Mimi Winzermaus
Zur Beitragsübersicht
(Ballade)
In einer Winzerei am Rhein,
da lebte eine Maus,
so naseweis und auch sehr klein,
der Chef war nicht im Haus.
Sie inspizierte Raum und Flur
und sah in jede Ecke,
begab sich auf Erkundungstour
bis hin zur Speicherdecke.
Der Keller war noch unbekannt
(hier lagerte der Wein),
die Fässer schienen int’ressant:
‚Was mag darin wohl sein?‘
Die Mimi wähnte sich allein,
so lief sie kreuz und quer
im faden Kellerdämmerschein,
die Neugier plagte sehr.
‚Ach, Mimi, lass es, wag es nicht!‘
ermahnte ihr Verstand.
Doch Mimi war nun sehr erpicht,
was sich im Fass befand
zu wissen. Hurtig ging es hinauf,
entlang der Eichholzwand,
da nahm das Schicksal seinen Lauf,
sie stieg auf höchsten Rand.
Wie glänzte rot, der edle Wein,
wie glänzten Mimis Augen:
‚Ein Schlückchen muss des Himmels sein,
ein Tröpfchen würd‘ mir taugen.‘
Sie beugte sich, das Schnäuzchen keck,
der Seligkeit entgegen.
„Ach schau!“, riefs laut aus dem Versteck:
„Du kommst mir sehr gelegen.“
Der Kater Schnurr kam rasch herbei
und Mimi kam ins Wanken.
Der Schreck saß tief von dem Geschrei
und Angst vor Katers Pranken.
Sie schwankte heftig, rutschte, fiel
hinein ins dunkle Rot.
„So hilf mir Schnurr, das ist kein Spiel!“,
schrie sie in ihrer Not.
Sie schluckte Wein, die kleine Maus
und wär‘ fast abgesunken:
„Ach, lieber Schnurr, jetzt hol mich raus,
ich bin schon sehr betrunken.
Nun Kater mach, ich kann nicht mehr“,
sie flehte wie besessen:
„Jetzt rette mich, ich bitte sehr,
dann darfst du mich auch fressen!“
Da zog der Schnurr die Maus heraus,
getränkt in rotem Wein.
Gedanklich schon beim Sonntagsschmaus:
‚das wird sehr lecker sein‘.
Doch Schnurr verlor das Gleichgewicht,
er kam sehr stark ins Schwanken.
„Wie günstig!‘, meinte Mimi schlicht
und sprang aus seinen Pranken.
Sie sauste untern Arbeitsschrank
und Schnurr sprang hinterher.
Er kam nicht drunter, Gott sei Dank,
er war zu groß und schwer.
„Sei nicht gemein, du dumme Maus,
und halte dein Versprechen!
Komm unterm Schrank sofort heraus,
du darfst dein Wort nicht brechen!“
„Ach Schnurr, mein Kater, kennst du nicht,
den Winzerspruch der Alten:
Was man im Weines-Suff verspricht,
das muss man doch nicht halten!“
