Noch
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Hörst du nicht die Bäume weinen,
wie Flüsse klagen und die Felsen flehn?
Siehst du nicht die Wellen schäumen,
wie Arten längst zugrunde gehn?
Noch singt der Wald, noch rauscht das Meer.
Noch schreit der Sturm: Ach Mensch, sieh her!
Noch leuchtet die Welt in tausend Farben,
doch trägt sie schon Millionen Narben.
Es grünt zu früh in allen Ecken,
es summt bereits in Wiesenflecken.
Es frühjahrt mal wieder im Februar schon
und Blumen erfrieren auf dem Balkon.
Noch singt der Wald, noch rauscht das Meer.
Noch schreit der Sturm: Ach Mensch, sieh her!
Noch leuchtet die Welt in tausend Farben,
doch trägt sie schon Millionen Narben.
Die Sonne brennt heiß, der Regen bleibt aus
und Wiesen vertrocknen dort hinterm Haus.
Die Bäche versommern in flirrender Glut
und Berge brechen laut ächzend vor Wut.
Noch singt der Wald, noch rauscht das Meer.
Noch schreit der Sturm: Ach Mensch, sieh her!
Noch leuchtet die Welt in tausend Farben,
doch trägt sie schon Millionen Narben.
Der Himmel hängt tief, die Felder sind leer,
das Obst an den Bäumen ist reif und schwer.
Es herbsten die Stürme, sie donnern und blitzen,
nun türmen sich Laub und Früchte in Pfützen.
Noch singt der Wald, noch rauscht das Meer.
Noch schreit der Sturm: Ach Mensch, sieh her!
Noch leuchtet die Welt in tausend Farben,
doch trägt sie schon Millionen Narben.
Der Himmel spuckt Schnee, Hagel und Eis.
Noch sind die Gipfel im Winter fast weiß.
Schon werfen sie Schlamm hinunter ins Tal,
die Gletscher entwintern, und Felsen stehn kahl.
Noch singt der Wald, noch rauscht das Meer.
Noch schreit der Sturm: Ach Mensch, sieh her!
Noch leuchtet die Welt in tausend Farben,
doch trägt sie schon Millionen Narben.
Siehst du nicht, wohin die Tiere ziehn?
Sie laufen im Kreis und können nicht fliehn.
Siehst du nicht, wohin sie ziehn?
Siehst du nicht?
