Teufel mit Beelzebub …
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Es war einmal ein Land, das wurde vom sich wandelnden Klima arg gebeutelt. Die Zahl der Hitzetoten (ein neu eingeführtes Wort) stieg sprunghaft und erreichte schnell fünfstellige Werte. Die großen und einst mächtigen Flüsse verkamen zu Rinnsalen.
Und noch immer waren viele Menschen in dem Land nicht überzeugt, dass der Klimawandel etwas mit ihrem maßlosen Lebensstil, mit ihrer Gier nach individueller Mobilität, nach immer mehr und noch mehr Auswahl an Waren zu tun haben könnte. Nicht zuletzt auch deshalb, weil ihnen ihre Bequemlichkeit sehr wichtig war. Und gerade die geriet nun in Gefahr. Denn die Flüsse, die einst breit und mächtig durch die Lande geflossen waren, hatten nebenher auch als Wasserstraßen gedient. Diese Funktion konnten sie, ausgetrocknet wie sie waren, nun nicht mehr erfüllen.
Da war guter Rat teuer. Wie sollten nun all die Warenströme, all der Überfluss, den die Menschen so sehr lieben gelernt hatten transportiert werden? Wie sollte der Kraftstoff, der ihnen das Versprechen jederzeitiger Mobilität gebracht hatte, an die Tankstellen im Land verteilt werden?
Die Lösung, auf die die Politiker kamen, mag uns verwundern aber so kurzsichtig waren die Menschen damals. Sie beschlossen, ein zum Schutz der Umwelt (und zur Entlastung des Freizeitverkehrs) eingeführtes Sonntagsfahrverbot für schwere LKW zu lockern (nicht, dass sich nicht auch die Bahn angeboten hätte). In anderen Worten, die Folgen des Klimawandels wurden bekämpft durch ein weiteres Anheizen desselben. Man wollte also den Teufel mit Beelzebub austreiben.
Nun, es kam, wie es kommen musste: Waren die Sonntagsfahrverbote einmal gelockert, wurden sie schnell vollständig abgeschafft und jeder fuhr wieder, wie ihm gerade der Sinn stand. Der Klimawandel beschleunigte sich rapide. Die Zahl der Hitzetoten überstieg rasant die Millionenmarke und irgendwann lief sich das Ganze von selber tot. Mangels Bevölkerung brach die Nachfrage ein, die Transportströme wurden sinnlos und unrentabel, das Land fiel zurück in eine vorindustrielle Wirtschaft. Die Menschen, die die Katastrophe überlebt hatten, fanden zurück zu kleinräumiger Selbstversorgung. Dezentralisierung war plötzlich das Zauberwort in aller Munde.
Nur – die vielen Toten, die dem engstirnigen Profit- und Bequemlichkeitsdenken zum Opfer gefallen waren, machte das auch nicht wieder lebendig.
Friede ihrer Asche!
