Thema: Kultur
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Kain und Abel
In längst verflossnen Erdenzeiten,
da stritten heftig, voller Eitelkeiten,
die Brüder Kain und Abel deftig,
der eine klug, der andre kräftig.
„Die Gunst der Maid sei mir vergönnt!“,
vergnügt sprach Abel: „Denn ich könnt,
ihr bieten einen Goldpalast,
bei dir lebt sie auf einem Ast!“
Sein Bruder Kain ward grimmig rot
und wünschte seinen Bruder tot:
„Du Bratenrock, bei deinem Geiz,
erliegt sie eher meinem Reiz.“…
Herbst
Heute scheint der Sommer zurück.
Ein Güterzug mit Neuwagen
rast laut donnernd an mir vorbei.
Zu meinen Füßen,
auf glitzerndem Asphalt,
liegt ein toter Schmetterling.
Der warme Wind bläst
unter seine zarten Flügel
und schlägt sie auf und zu,
auf und zu,
auf …
und zu.
Claudia Pauquet…
Der Nackmull

Ein Mull ziehte sein Fellchen aus
und bud im blauen Meer.
Erst schwimmte er ganz weit hinaus
und dann noch hin und her.
Der Kleine steigte wieder raus,
erschrickte, und zwar sehr!
Er siehte dort am Strand – o Graus!
sein Fellchen nimmermehr.
„Was nun? So sprichte er mit sich
– sonst war ja niemand dort.…
Die Schleiereule
Der Wind zieht sacht, der Mond scheint blass,
die Nacht ist kühl und grau.
Die Eule stößt sich aus dem Nass,
das Wasser schimmert blau.
Im See versinkt die letzte Glut,
ein Schatten schwebt empor.
Am Himmel streift die Wolkenflut,
ein Stern lugt leis hervor.
Sie gleitet lautlos durch die Nacht,
ihr Blick ist scharf und klar.…
Retrohölle
Herr Meyer fühlt sich gar nicht gut,
ihm fehlt die alte Höllenglut,
die zwar den Leib gehörig peinigt,
jedoch die Seele prima reinigt.
Und auch das milde Fegefeuer,
das war Herrn Meyer lieb und teuer.
Doch beides ist nicht mehr zu haben,
seit Nietzsche es samt Gott begraben.
Drum findet Meyer es ganz prima,
dass, wegen C-O-zwei und Klima,
den Sündern jetzt schon vor dem Tod
die Qual der Klimahölle droht,
die völlig gottlos funktioniert.…
Die Stinkwanze
In einem wunderschönen bunten Garten, direkt neben der großen Blumenwiese lebte eine kleine Wanze namens Stella. Stella war keine gewöhnliche Wanze – sie war eine Stinkwanze. In den kalten Jahreszeiten verkroch Stella sich am liebsten in den warmen Wohnungen der Menschen. Aber jetzt – da es langsam Frühling wurde und alles zu blühen begann, hielt sie es drinnen nicht mehr aus.…
