Liebä Mitbürger*innen,

diesa Herr Merz guggt doch auf uns Leit, wie so än gonz strenga Hausmeischter guggt, wenn moint, ebban häd den Lade zu laut betretä oda der Hausflur extra dreckich gmacht.
Mir Leit sind irgendwie ned so wie am sei solle ond ebbes laufd grad wieder schief.
Wer schafft, isch no lang koi Heiliger. Wer müd isch, gilt glei als verdächtig. Wer Hilfe braucht, wird behandelt, als hätt er’s grad drauf abgseh, sich auf fremde Kosten a schönes Leben z’mache. Wer net sofort in d’richtige Spur springt, hat im Zweifel koi Problem, sondern a Charakterschwäche.
Ond wer dann imma noch net pariert, der isch halt so in de Köpf von dem Herrn Merz ond seiner Polidikerrunde am End bloß faul, bequem oder irgendwie moralisch ned ganz sauber.

Des isch scho a seltsame Art von Polidik. So wird aus Misstraue a Regierungsstil. Ond aus a ziemlich schlichte Weltsicht wird a ganze polidische Moral.
Da wird uns ins Gesicht gschwätzt, mir vertraue eich eigentlich überhaupt net — aber bloß aus Fürsorge!
Des isch ungefähr so, als tät a Tresorwart sage: „I bin nur deshalb misstrauisch, weil i euch so gern hab.“
Oder wie wenn a Schaffner im Zug ruft: „I glaub zwar, dass ihr am liebschte alle schwarzfahrt, ond ich kontrollier au bloß, weil I so an sehr on euch denk.“

Ond genau so fühlt sich dem Merz sei ganze Ton an.
Erscht kommt die Unterstellung, dann die Belehrung, ond am Schluss soll’s bitteschön no wie Vernunft ausschaua – oda wie Hilfe.
Mir’Menschä send dann bloß okay, wenn ma funktionieren wie a gut gschmierte Maschine. Mir solle koine Pause mache, net alt werde, net krank werde, vor allem net arm sei.
Ond scho gar net auf die Idee komme, zu widerspräche. Sonst simma glei statt’m Bürger än Verdachtsfall.

Des Absurde isch ja: Der Merz ond seine Truppe reden ständig von Leistung, meinen aber in Wahrheit Gehorsam. Die tun so, als würden sie Stärke fördern, ond schaffen bloß a Klima, in dem sich jeder dauernd rechtfertige muss.
Einmal kurz durchatme? Verdächtig.
Brauchst Hilfe? Noch verdächtigerer. Schon fast a Charakterfrage.
Willsch Widerspruch? Dann bist halt net teamfähig.
So geht Misstraue mit Krawatte. Da geht mir so longsam di Hudschnurr nauf!

Ond genau da liegt der Hund begraben.
Wer d’Leit grundsätzlich für schlitzohrig hält, wird irgendwann selber so einer.
Bloß mit Dienstwagen.
Ond Titel.
Ond Pressekonferenz.
Dann nennt ma des Steuerung, Führung oder Verantwortung.
Des Lustige daran isch: Diese Art Polidik tut immer so, als würd sie Leistung fördere.
In Wirklichkeit isch es bloß a gepflegtes Herabblicke mit hochgradig schwäbischer Sparsamkeit im Mitgefühl.

Dabei wär’s gar net so schwer.
A Demokratie braucht kei Oberaufseher, sondern Vertrauen. Ned blind, aber grundlegend. Sonst endet des alles im permanenten Schulmeischtergeschwätz — ond des könne ma irgendwann nimmer höre. Schon gar net, wenn er aus’m Munde von dem kommt, der glaubt, die ganze Republik müsse erscht noch erzogen werde.
Ond zum bessere Verstehe wird uns no alles zamme gekürzt, was uns eigentlich des Lebe erleichtern soll. Des nennt sich donn soziale Gerechtigkeit.

Dabei wär Demokratie gar net so kompliziert. Ma müsst uns Leut net dauernd behandle, als hätten mir grad den letzten Keks aus’m Glas gschtohla. A bissle Vertrauen tät scho reiche. Aber des scheint für den Herrn Merz scho fast linke Romantik zu sei.

No ebbes zum Schluss:
Ond wenn mia d’Leit irgendwann nemme erfahre solle, was ihre Regierung macht, dann isch aus Misstraue endgültig a Einbahnstroß worde. Vertrauen wächst nämlich net dadurch, dass ma weniger erfährt, sondern dadurch, dass ma nachfrage darf.
Ond wer vor Froga Angst hot, der hot meistens au ebbes zu verberge. Der sollt vielleicht net ons Bürger erziehe wolle, sondern sich selber mol im Spiegel a paar Froga stelle.
Des isch halt au so a schwäbische Lebensweisheit.