Ich war lange pazifistisch geprägt, habe Reinhard-Mey-Lieder vom Frieden mitgesungen und „Nein, meine Söhne geb ich nicht“. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat mich jedoch nachdenklich gemacht. Heute sehe ich deutlicher – Frieden ist nicht einfach da. Man muss ihn auch schützen können. Verteidigungsfähigkeit ist für mich kein Widerspruch zum Frieden, sondern eine seiner Voraussetzungen.

Heute ist ein Tag, an dem ich all den Menschen danken möchte, die in der Bundeswehr gedient haben und oft Erfahrungen mit sich tragen, die man von außen nicht sieht. Manchmal auch nicht sehen möchte. Hinter jedem Einsatz stehen nicht nur Dienst und Pflicht, sondern auch Familie, Freundschaften, Belastungen und ein Leben danach.

Wer Menschen in Uniform für ihren Dienst würdigt, darf ihre Belastungen nicht erst dann sehen, wenn sie längst allein damit sind. Anerkennung ist für mich nur dann glaubwürdig, wenn sie mehr ist als ein Festakt. Sie muss sich daran messen lassen, ob Staat und Gesellschaft diejenigen wirklich tragen, die im Dienst für andere eingestanden haben.

Wertschätzung heißt für mich: hinschauen, zuhören und Unterstützung ernst nehmen. Nicht nur heute, sondern auch an den Tagen, an denen es keine Reden und kein Bühnenprogramm gibt.

Ich bin auch Mutter. Und vielleicht sollte man an einem Tag wie diesem nicht nur an die Veteraninnen und Veteranen denken, sondern auch an ihre Familien. An Partner*innen, an Kinder – und an die Mütter, die ihre Söhne und Töchter in den Dienst verabschiedet haben und oft dieselben Sorgen, Ängste und schlaflosen Nächte mitgetragen haben. Auch ihnen gebührt Dank.

Mein Dank gilt heute allen, die gedient haben, und allen, die sie dabei getragen, unterstützt und auf sie gewartet haben.

Eure Dorena Gudamar