Waldpolitik

Herr Fuchs sitzt wütend vor dem Bau,
die spitze Nas’ gerümpft.
Er hatte Streit mit seiner Frau,
die hat mit ihm geschimpft:

„Die Kinder werden langsam groß,
wir haben keinen Platz.
Ich frag mich nur, was denkst du bloß?
Auf geh und schaff Ersatz!
Los jag das Mäusepack davon
beim alten Eichenstein!
Nee! Friss sie alle! Mach doch schon!
Der Platz, der muss es sein!“

Voll Zorn fasst er sich an den Kopf
Ach, dieses sture Weib!
Was ist er für ein armer Tropf,
er bebt am ganzen Leib.
Die gute, alte Zeit im Wald
mit Hase, Maus und Reh,
als noch das Recht des Stärk’ren galt,
ist schlichterdings passé.

Seit dieser neuen Waldreform
braucht man für jeden Krempel,
vom Waldamt schriftantragskonform
mit Unterschrift und Stempel,
Genehmigungen – rechtsgenehm –
beglaubigt vom Herrn Igel,
drei Duplikate außerdem
mit amtlichgrünem Siegel.

Bei Zuwiderhandlung kommt vorbei,
kein Spaß, man glaubt es nicht,
die Waldstadtordnungspolizei,
und schleppt dich vor Gericht.

Herr Fuchs eilt schleunigst nun ins Haus,
zum End’ der Meckerei,
er füllt den Antrag selber aus,
und bringt ihn gleich vorbei
beim fernen Amt am Wurzelsteg
zum Bachlauf Nummer acht.
Jetzt rennt er fast den ganzen Weg:
„Das wäre doch gelacht!“

Da trifft er kurz vorm letzten Eck’,
er wär fast ausgerutscht,
die neugierige Weinbergschneck’,
die dort ganz langsam flutscht.
„Ah, Herr Fuchs, was machst du hier?
Wie schön, dass man sich trifft.
Ich glaub, du musst in Zimmer vier
für eine Unterschrift.

Geh du nur gleich zuerst hinein,
du weißt ja ohnehin,
dass ich im Schneckenhausdasein
ja nicht die Schnellste bin.“
In Zimmer vier sitzt Fräulein Has
und sieht ihn ganz streng an:
„Den Antrag ich nun mehrmals las,
so geht’s nicht, guter Mann!

Familie Maus hat sich beschwert,
Sie würden sie bedrohn.
Den Förster haben sie beehrt,
samt Töchtern und dem Sohn.
Zu Recht sind Sie nun angeklagt.“
Dann sagt sie noch gedehnt:
„Das Nähern ist jetzt untersagt,
der Antrag abgelehnt!“

Ganz sprachlos stürmt Herr Fuchs hinaus,
Frau Schneck sieht sein Gesicht:
„Das wird nichts mit dem neuen Haus?
Die Sache klappte nicht?
Nun, jetzt versuche ich mein Glück,
lass dich ein Weilchen nieder.
Wart hier auf mich, bin bald zurück.“
Der Fuchs streckt alle Glieder.  

Er denkt mit Bangen an daheim,
mit Schreck und auch mit Frust,
denn jetzt wird sie noch lauter schrein,
zum Heimgehn fehlt die Lust.

Nicht lang, da kommt Frau Schneck und lacht:
„Die Sache ist vom Tisch.
Oh ja, das hab ich gut gemacht.“
Sie wedelt mit dem Wisch.
Die Schnecke grinst von Ohr zu Ohr,
der Fuchs sagt ganz pikiert:
„Du, mach mir das doch einmal vor.
Was hast du angeführt?“

„Du musst nicht lügen und nicht schleichen,
nicht buckeln und nicht reimen.
Denn willst du was beim Amt erreichen,
dann musst du einfach schleimen.“